Die Mongolei
Allgemeines
Die Mongolei ist mehr als viermal so gross wie Deutschland, jedoch sehr gering bevoelkert. Insgesamt leben 2.6 Millionen Menschen in der Mongolei. Mit einer durschnittlichen Hoehe von 1580 Metern ist die Mongolei ein ausgesprochenes Hochland. Die Hauptstadt der Mongolei ist Ulan Bator. Die landschaftliche Vielfalt des Landes ist sehr gross, es gibt Wald- und Wuestensteppen, Fels- und Geroellwuesten, Taiga, Sandduenen, Gebirge, Hochtaeler, erloschene Vulkane, Salz- und Suesswasserseen. Das Klima in der Mongolei ist sehr trocken und von extremen Temperaturschwankungen gekennzeichnet. Einem langen kalten Winter folt ein nur kurzer warmer Sommer.Die Temperaturen koennen vor allem im kurzen Fruehling und Herbst an einem Tag um 30 Grad schwanken. Die Jahresdurchschnittstemperatur in Ulan Bator liegt bei -2.9 Grad, obwohl es in den Sommermonaten sehr warm wird. Damit ist Ulan Bator die kaelteste Hauptstadt der Welt.Leben in der Mongolei
Immer mehr Nomaden zieht es in die Stadt. Wer kann lebt erst in einer Jurte am Stadtrand Ulan Bators um diese dann im Lauf der Zeit durch eine Holzhuette zu ersetzen. Ersehntes Ziel ist eine Wohnung in einer der Plattenbausiedlungen, mit fliessend Wasser und Zentralheizung. Schon mehr als ein Drittel der Gesamtbevoelkerung der Mongolei lebt in Ulan Bator. Die auf dem Land lebenden Nomaden ziehen nach Ende des Sommers ins naechstgelegenste Dorf umd dort den Winter zu verbringen. Diese Doerfert bestehen vor allem aus Blockhuetten. Jedes Grundstueck ist von einem Bretterzaun umgeben, dahinter findet sich neben der Huette oft noch eine Jurte, ein Plumpsklo, manchmal eine Dusche, Gemuesebeete, ein paar Huehner und alles gut bewacht von einem mehr oder weniger aufmerksamen Hund. Um Duschen zu koennen muss erst der Tank ueber der Dusche Eimer fuer Eimer befuellt werden. Teilweise gibt es sogar die Moeglichkeit heiss zu duschen, dazu wird das Wasser mit einem kleinen Holzofen erhitzt. Manchmal gibt es auch gar keine Dusche.Die Jurte
Die Jurte ist das Heim der mongolischen Nomaden. Das Geruest der Jurte beseht aus Holz. Umhuellt wird diese Konstruktion mit Filz, im Sommer
mit einer
Lager, im Winter mit bis zu vier Lagen. Um die Jurte werden
Seile zur Stabilisierung gespannt. Die Tuer weisst immer zum Sueden. Im
Norden befindet sich der Ehrenplatz. Wichtige Gegenstaende, sowie das
Familienoberhaupt hat seinen Platz im Norden. Im oestlichen Teil der
Jurte befindet sich die Frauenseite, im westlichen Teil die
Maennerseite. Im vorderen Teil der Jurte wird gearbeitet und in harten
Wintern die Jungtiere beherbert. In der Mitte der Jurte steht der Ofen.
Er dient zum heizen und zum kochen.
Strassen
Alle in die
Hauptstadt hinein und hinaus fuehrenden Strassen sind
geteert. Auch auf dem Land gibt es immer mal wieder ein geteertes
Stueck Strasse. Wie aus dem nichts faengt die Teerstrasse an und endet
nach einigen Kilometern wieder. Die restlichen Strassen des Landes sind
Feldwege und Splitaufschuettungen. Die mit Split aufgeschuetteten
Strassen sind die schlechtesten, so dass sich schnell ein Feldweg
daneben gebildet hat, den alle befahren.
Man kommt nur sehr langsam
voran, Durschnittsgeschwindigkeit sind 30-40 Stundenkilometer, und so
kann es sein, dass man fuer eine STrecke von 600 km zwei bis drei Tage
unterwegs ist. Ohne Allradantrieb wagen sich nur wenige Fahrzeuge aus
der Stadt hinaus. Durch den vor allem in diesem Sommer starken Regen
werden die Strassenverhaeltnisse noch schlechter. Die Strassen
versinken im Matsch und die Fahrer sind vor hohe Herausforderungen
gestellt. Sehr haufig trifft man auf Fahrzeuge, die mit einer Panne
liegen geblieben sind. Die Fahrer sind in der Regel in der Lage ihre
Fahrzeuge selber reparieren. Ein zum reparieren halb auseinander
gebautes Fahrzeug ist somit keine Seltenheit. Auch unser Fahrer lag des
oefteren unter unserem Bus. Mehr als einmal durchquert man auf seiner
Reise Baeche und kleine Flusse. Nicht immer gibt es Bruecken. Die neuen
Bruecken sind aus Beton, viele aeltere und kleinere sind
Holzkonstruktionen. Ganz getraut haben wir diesen Holzbruecken nie. Je
mehr Loecher sie schon hatten umso weniger.
Reisetagebuch
Ulan Bator 29. Juni 2008
In Ulan Bator angekommen, wartet schon unser Fahrer vom Hostel auf uns, um uns abzuholen. Am Ziel angekommen kann ich nirgends ein Hostel entdecken. Der Fahrer fuehrt uns in eine Wohnung in einem der typischen Plattenbauten. Das soll also die vor kurzem eroeffnete Zweigstelle des Hostels sein? Ja ist sie. Wir schlafen im Wohnzimmer. Tags darauf kommt noch ein finnisches Paerchen , dass im Schlafzimmer einzieht. Anfangs waren wir sehr irritiert, aber im Nachhinein stellt sich diese Unterkunft als Gluecksgriff heraus. Wer weiss, ob wir sonst noch eine mongolische Wohnung in einem der typischen Plattenbauten von Innen zu sehen bekommen haetten. Unser Gastgeber Gamba (Schlaeft im Kinderzimmer auf dem Boden) ist ueberaus freundlich, hilfsbereit und offen. Der einzige Nachteil, es gibt grad kein Warmwasser. Nur kaltes, und kalt bedeutet eiskalt.
Ulan Bator 29.06.2008
23.35h. Wir erreichen erschoepft Ulan Bator. Am Gate steht ein freundlich dreinschauender Junge mit dem Schild Manja & Markus in der Hand. Es ist unser Abholservice zum branch des UB Guest Houses. Dieser branch ist die erste grosse Ueberraschung . Es ist die Privatwohnung von Gamba, der Gaesten zwei Zimmer zur Verfuegung stellt. Die Waende unseres Zimmers sind beschmueckt mit Familienfotos und einem Abbild Dsinghis Khans, einer der zwei grossen und allgegenwaertigen mongolischen Helden. Waehrend wir in einem gemuetlichen Bett liegen, schlaeft Gamba auf einer Isomatte im Kinderzimmer. Seine Familie lebt auf dem Land und braucht wohl jede Unterstuetzung. Ich tue mich ein wenig schwer mit der Situation, aber die mongolische Gastfreundschaft laesst wahrscheinlich auch keine andere Moeglichkeit zu.
Ulan Bator 30. Juni 2008
Immer noch muede stehen wir nach 12 Stunden schlaf gezwungenermassen auf,
denn Gamba wartet auf uns, um mit uns ins Hostel zu gehen.
Dort sitzen
wir dann fast zwei Stunden an der Planung unserer Tour
durch die Mongolei. Es sah eigentlich nicht danach aus, dass wir
Mitreisende finden, da jeder mit konkreten Vorstellungen bezueglich der
Route und der Tourlaenge dort ankommt, aber wir hatten Glueck und
trafen im Hostel auf ein Paerchen mit denen wir uns einig wurden. Am
zweiten Juli geht es dann los auf eine Rundreise in den Norden der
Mongolei. Den restlichen Nachmittag nutzen wir fuer einen ersten
Rundgang durch die Stadt. Obwohl UB wirklich nicht schoen ist,
gefaellt, es mir hier gut. Besser als der erste Eindruck von Peking.
Ulan Bator 30.06.2008
Wir leiden am Jetlag und kommen erst gegen ein Uhr aus dem Bett. Gamba
bringt uns zum Hostel, wo wir Informationen bekommen und unsere
Tour(en) planen wollen. Mit ein wenig Glueck findet sich ein weiteres
deutschen Paerchen aus Frankfurt, mit dem wir ab Mittwoch den Norden
der Mongolei erforschen. Da es die letzten Wochen ungewoehnlich viel
geregnet hat, wird es wohl eine extra spanndende Tour. Nach gut zwei
Stunden Planung (es ist gar nicht einfach Ubereinstimmung zu finden,
wenn alle feste Abfahrtzeiten haben) gehen wir auf Nahrungssuche und
besichtigen kurz den Suehkbaartarplatz (Suehkbaartar ist der zweite
grosse mongolische Held) mit Reiterdenkmal und Dschingis-Khan-Denkmal.
Danach machen wir noch erste kulinarische Erfahrungen und schleppen uns
dann muede in unser Domizil.
Ulan Bator 1. Juli 2008
Heute gab es mongolische Suppe zum Fruehstueck. Um 10 Uhr stand die Suppe fertig auf dem Tisch und wir wurden von Gamba zum Suppenfruehstueck eingeladen. Mongolisches Essen beinhaltet immer Fleisch. Die Mongolen sagen "Meat is for the men, grass for the animals". Und so gab es Suppe mit schwarzem Reis und Huhn. War lecker.
Ulan Bator 01.07.2008
Nachdem wir wieder laenger geschlafen haben als beabsichtigt, werden wir von Gamba mit einem Fruehstueck begruesst, was eigentlich sein Mittaessen ist. Gekochtes Huhn mit Black rice. Lecker, aber zum Fruehstuck eher ungewohnt. Zu unserer besonderen Freude kann er uns wohl ein Ticket fuer die TransMong von Ulan Bator nach Peking besorgen, was von Deutschland aus leider nicht mehr geklappt hat. Den Rest des Tages nutzen wir, um endlichen diesen Blog Online zu stellen.
Nordmongolei 02.-12.Juli 2008
Zusammen mit Anna und Marko, die gerade zu ihrer 9-monatigen Weltreise
aufgebrochen sind, starten wir unsere erste Tour, die uns in den Norden
der Mongolei fuehrt. Mit dabei sind noch Michka unser Fahrer und Una
unsere
Dolmetscherin. Vorher haben wir uns noch mit Lebensmitteln als
Notration und ausreichend Wasser ausgestattet. Es gibt hier viele
deutsche Produkte zu kaufen. Vor allem die Marke "Gut und Guenstig" ist
zu bekommen. Sogar Schwaebische Spaetzle habe ich gesehen. Zu Beginn
ist es noch sehr gewoehnungsbeduerftig im ruckelnden Auto zu sitzen.
Zum Glueck wissen wir da noch nicht, wieviele Stunden Fahrt und was
fuer schlechte Strassen noch auf uns warten. Die ersten beiden Tage
brauchen Marko, Anna und ich noch die Tabletten gegen Reisekrankheit,
die restliche Zeit geht es auch ohne. Aber an diese Fahrerei gewoehnt
man sich nie. Man ist die ganze Fahrt damit beschaeftigt die
Bewegungen auszugleichen, sich wieder richtig hinzusetzen und darauf zu
achten, dass einem nicht schlecht wird. An Schlafen ist hier nicht zu
denken. Wieviele Stunden Fahrt uns an einem Tag erwarten ist vorher nie
klar, aus angesagten 7 Stunden koennen auch mehr werden. Ohne
nachzubohren erfaehrt man nur, dass das Tagesziel far far away ist und
vor uns ein
long long way liegt. Aber die wunderschoene Landschaft
entschaedigt tausenfach fuer die muehselige Fahrt. Uns zeigte sich die
Mongolei wie aus dem Bilderbuch. Unser Blick wandert immer wieder ueber
unendlich weite Taeler, die am Horizont von sanften Huegeln umsaumt
sind. An dieser Ferne kann man sich nicht sattsehen. Und zwischen uns
und dem Horizont liegt nichts als gruenes Gras, bunte Blumenwiesen,
glitzernde Bachlaeufe, die sich schlaengelnd ihren Weg durch die
Landschaft suchen. Vereinzelt sind leuchtend weisse Jurten zu sehen. Zu
sehen sind auch immer wieder kleine und grosse Herden von Schafen,
Ziegen, Pferden und Yaks. So verbringen wir viele Tage im Auto sitzend
waehrend wir fasziniert von der Landschaft aus den Fenstern schauen.
Die Abende, die teilweise leider viel zu kurz sind, weil wir erst spaet
ankommen, nutzen wir um die Umgebung zu erkunden, zusammen Doppelkopf
zu spielen oder auch nur um uns auszuruhen. Ans Essen konnte ich mich
die ganze Zeit nicht so recht gewoehnen. Hammel wird definitiv nicht
meine Leibspeise. Ich vermisse jetzt schon frisches Obst, Gemuese und
leckeren Salat. Salat gibt es zwar oft als Beilage oder als Dekoration,
aber alles was lecker ist (also frisch und ungekocht) sollte man ja
lieber nicht
essen. Schweren Herzens lasse ich die besten Sachen auf
meinem Teller liegen. Am 7. Tag unserer Reise gibt es noch eine weniger
schoene Ueberraschung. Roter juckender Ausschlag macht sich auf meinem
Bauch breit und keiner weiss so recht was das ist. Dann bemerke ich,
dass genau in der Mitte des Ausschlags, die Bisstelle von der Zecke
ist, die ich mir noch drei Tage vor Abflug eingefangen habe. Einen Tag
spaeter erreichen wir Tsertserleg, ein Aimagzentrum (die Mongolei ist
in Regionen unterteilen, die sich Aimag nennen). Alle sind sich einig,
damit lieber zum Arzt zu gehen. Das Krankenhaus macht keinen guten
Eindruck und ich war mir schnell sicher, dass ich hier nicht lange
bleibe. Der Arzt stellt schliesslich die Diagnose Allergie auf den
Zeckenbiss und schreibt mir zwei Medikamente auf, ein mongolisches und
ein russisches. Ich koennte mir aussuchen welchen ich moechte. Ich
nehme keins von beiden. Bezahlen musste ich uebrigens nichts fuer den
Arztbesuch. Tags drauf sind wir uns sicher, dass der Ausschlag vom
Zeckenbiss herruehrt, da er immer groesser wird und bald ein Ring zu
erkennen ist. Leider haben wir nicht die passenden Medikamente dabei um
Borreliose zu behandeln und mein Reisefuehrer macht mir auch keine
grosse Hoffnung Antibiotika erhalten zu koennen. Zum Glueck haben Anna
und Marko eine
riessige Reiseapotheke und das passende Antibiotika
dabei und entgegen aller Vorhersagen der Reiseliteratur koennen wir
weiteres Antibiotika in der Apotheke hier erstehen. 80 Tabletten
Antibiotika gibt es hier fuer umgerechnet 3,50 Euro ohne Rezept zu
kaufen. Die Reise kann also weitergehen. Die 11 Tage vergehen
schliesslich wie im Flug. Wir freuen uns auf eine richtige Dusche mit
heissem Wasser und auf zwei ruckelfreie Tage in Ulan Bator bis wir zu
unserer naechsten Tour aufbrechen. Wir sind aber auch etwas traurig die
Tour zu Ende ist, da es so wunderschoene Tage waren und wir zu viert so
viel Spass miteinander hatten. @Anna und Marko: Es war wirklich schoen
mit euch die 11 Tage unterwegs zu sein. Gerne wieder.
Nun lernen wir die andere Seite der Mongolei kennen. Wir werden spaeter
feststellen, dass es eine andere Seite ist. Nach
zwei Tagen JetLag-Anpassung
in der laermenden Millionenstadt Ulan Bator starten wir mit
Anna und Marko
in den zu dieser Jahreszeit gruenen Norden. Neben unserem Fahrer
Mischka ist auch noch Urna als Uebersetzerin dabei. Am ersten Tag
geniessen wir noch die asphaltierte Strecke. Nur die letzten Kilometer
zum Kloster
Amarbayasgalant geben uns einen Vorgeschmack auf das
Durchruetteln, welches uns bis zum letzen Tourtag verfolgen wird. Dies
ist nicht nur
eine Belastung fuer uns, sondern auch fuer
unser Auto russischer Bauart, das in den folgenden Tagen mehrfach
anhalten wird um runterzukuehlen oder von Mischka repariert zu werden.
Aber die Anstrengungen jeden Tages werden schon waehrend der Fahrt mehr
als ausgeglichen, durch die Natur und die in unbekannter Weise
freilebenden Tiere. Ein gruenes Tal fuegt sich an das naechste, einsam
stehen ein paar Jurten um die sich verschiedene Herden auf
Nahrungssuche begeben. Mal Pferde, mal Rinder, haufig Ziegen und
Schafe.
Auch unsere Tagesziele machen alle Strapazen vergessen. Unser erstes
Jurtenlager liegt unmittelbar nben dem Kloster Amarbayasgalant, durch
das wir am Abend noch gefuehrt werden.
Es ist neben dem Gandankloster in Ulan Bator der wichtigste
buddhistische Ort in der Mongolei. Der Buddhismus wurde in den 1930er
Jahren stark verfolgt, fast alle Tempel zerstoert.
Erst seit dem durch den Zusammenbruch der Sowjetunion ausgeloeste
Umbruch werden die Tempel wieder restauriert. Wir beschliessen den Tag
am nahegelegenen Fluss, der kalt genug ist, unser Bier zu kuehlen.
Der naechste Tag schuettelt uns wieder lange Zeit durch.
Der Anteil der
Teerstrasse nimmt deutlich ab. Es wird deutlich laendlicher, und das
fuehrt dazu, dass wir ploetzlich mit dem Auto inmitten einer Herde
Kamele und Pferden stehen, angelaechelt von
zwei Nomaden, die die Tiere durch das Tal treiben.
Am Abend
erwartet uns ein Fleckchen Erde wie aus dem Bilderbuch. In
einem weiten Tal, an einem ruhig
dahinfliessendem Fluss stehen einsam ein paar Jurten - unser naestes
Nachtlager. Wir nutzen die wenigen verbleibenden Stunden mit
Tageslicht, um die Umgebung
zu erkunden.
Unsere
Nachfrage nach Bier wird mit Begeisterung aufgenommen. Wir
steigen in den Bus und auch die halbe Gastfamilie steigt noch zu, um
mit dem nach mongolischen Massstaeben halbvollen, nach deutschen
Masstaeben ueberfuellten Bus zum wenige Kilometer entfernten Geschaeft
zu fahren. Wir decken uns mit Tagesausklangsbier ein, unser Fahrer und
die Familie mit Tageausklangswodka.
Am naechsten
Morgen schon muessen wir von diesem traumhaften Ort
Abschied nehmen.
Der Khoevsgoelsee wartet auf uns. Es wird eine lange
Fahrt und leider ist unser naechstes Lager dann auch noch etwas weit
vom See entfernt. Wir trauern dem letzten Lager hinterher. Hier bleiben
wir zwei Nachte
und nutzen dann den vollen Tag, den See zumindest teilweise zu
erkunden. Wir werden per Motorboot ein paar Kilometer nach Norden
befoerdert und laufen dann zunaechst auf die naechste Anhoehe, von wo
wir einen tollen Blick auf den tuerkis schimmernden, kristallklaren See
haben und gehen dann
am Ufer entlang zurueck. Diesmal klingt der Tag mit Wodka (keine 2 Euro
der halbe Liter) am Lagerfeuer aus.
Zwei Tage
dauert dann unsere Fahrt ueber Moeroen zum Weissen See.
Dieser See hat zwar keinen tuerkisen Schimmer, aber besticht durch
seine naturbelssene Umgebung.
Nur wenige Jurten sind zu sehen, ansonsten Natur pur. Auch hier bleiben
wir zwei Naechte, und wir laufen an unserem "Extratag" zu einer
Ansammlung von Ovoos. Dort treibt sich gerade auch eine Pferdeherde
rum, die wie wahrscheinlich alle Tiere hier, keine Zaeune kennt.
Am naechsten Tag machten wir uns auf, um den Hoehepunt der Tour in
Tsertseleg zu erleben.
Es ist Naadam, das hoechste Fest der Mongolen, bei dem es u.a. ein
Ringerturnier, Pferderennen und Bogenschiessen gibt.
Das ganze wird mit einzelnen Gesangsauftritten, mongolischen Orchestern
und ueber Lautsprecher vorgetragene Gedichte abgerundet.
Wir sind bewusst dem grossen Trubel in Ulan Bator ausgewichen. Zwar
gibt es in Tsertseleg deutlich weniger Ringer und Pferde zu sehen, aber
dafuer laufen diese
direkt an uns vorbei und wir koennen die Orchester aus
unmittelbarer Naehe verfolgen. Viele der Zuschauer haben sich mit
traditioneller, mongolischer Tracht prachtvoll herausgeputzt. Wir
schauen dem Treiben gebannt zu und
man kann sich nicht satt sehen. Kurz nach Mittag fahren wir noch knapp
30 Kilometer nach ausserhalb, um den Zieleinlauf des Pferderennens
mitzuerleben. Danach geht es weiter nach Karakorum, der zerstoerten
Hauptstadt des Dsinghis Khan Reiches, aus dessen Truemmern spaeter
direkt nebenan das Kloster Erdene zuu erbaut wurde.
Unser Jurtenlager ist in Sichtweise. Marko und ich spielen vor dieser
geschichtstraechtigen Kulisse noch eine Runde Fussball mit den Jungs
der Gastfamilie.
Auf der Pirsch
Adler haben wir gesehen. Sie hoben sich in die Luefte, wenn wir uns mit dem
Auto naeherten oder sie lauerten auf Telegraphenmasten. Leider waren
sie zu weit entfernt, um sie
mit
unseren Kameras einzufangen. Doch heute ergab sich die Moeglichkeit,
auf die wir lange gewartet haben. Marko entdeckte einen grossen dunklen
Schatten mitten im Feld. Wir baten Mischka zu halten und schnappten uns
unsere
Kameras. Langsam, ganz langsam versuchten wir uns dem Koenig der Luefte
zu naehern. Sobald er anstalten machte
durchzustarten, hielten wir inne. Wir schwiegen um jeglichen
zusaetlichen Reiz zu vermeiden.
Langsam kamen wir Meter fuer Meter unserem Ziel naeher. Dann
ploetzlich, baeumte er sich in seiner ganzen Groesse auf - und ging in
seine Jurte. Wir hatten den Nomaden wohl bei der Verrichtung seines
Geschaeftes nachhaltig gestoert. Ein lautes Lachen schallte aus unserem
Auto.
Gobitour 15.-22.Juli 2008
Nach dem gruenen Norden mit seinen Seen und den vielen Herden erwartet
uns nun eine andere Mongolei:
Karg,
unwirtlich und heiss. Je weiter wir uns von Ulan Bator Richtung
Sueden, Richtung Gobi entfernen, desto sichtbarer werden die
Auswirkungen dieser Bedingungen fuer Flora und Fauna. Das Gras wird
zunaest spaerlicher, wird dann von einzelnen Bueschen
abgeloest, die spaeter auch verschwinden, bis nur noch wenige Grashalme
die ansonsten trockene Erde bedecken.
Gleichzeitig werden die Herden weniger, die Zahl der Kamele steigt.
Geht man ein wenig in der Gegend herum finden sich anfangs noch viele
Insekten, spaeter
nur noch vereinzelte Heuschrecken und Geckos. Aber es gibt
zwischendurch auch immer dauerhafte Wasserstellen und dort bilden sich
einzigartige Biotope. So fliesst in Sichtweite einer Sandduene
ein schmaler Strom, und dort finden sich unzaehlige Froesche - mitten
in der Wueste. Auch in der Geierschlucht gibt es viel Wasser,
so viel, dass sich im Winter dicke Eisschichten bilden, die im Sommer
an den schattigen Stellen nie komplett abtauen - mitten in der Wueste.
Im Gegensatz
zum Norden, wechselt sich hier das landschaftliche Bild
staendig, dies macht die Tour abwechselungsreicher. Zudem sind die Wege
deutlich besser, so dass wir weniger Reisezeit benoetigen und
entspannter ankommen. Die Hitze wird dadurch ertraeglicher, dass der
Himmel des oefteren bedeckt ist.
Die Gruppendynamik (wir sind mit drei Franzosen unterwegs) ist
allerdings eher mau, aber zumindest lerne ich noch ein paar
franzoesische Vokabeln. Zudem sind die Jurten deutlich schlechter und
der Kontakt zu den Familien geringer. Aber dieses weitere spannende
Gesicht der Mongolei hat sich tief eingepraegt!
Streifzug - Ulan Bator
Bei unseren Gaengen durch Ulan Bator mussten wir auf vieles achten. Auf unsere
Schritte zum Beispiel. Es gibt zwar einen Buergersteig, allerdings ist dieser nicht
durchgaengig gepflastert und zumeist auch mit Schlagloechern uebersaet.
Die Unebenheiten lenken den Blick ab von den schlichten Fassaden zu den eigenen Fuessen.
Bei staerkerem Regen liegt schnell ein Teil des Buergersteiges unter Wasser. Zunaechst kann man
noch hoffen, nicht zu tief in das Nass einzutauchen, spaeter bewegt man sich besser von
Insel zu Insel fort. Die Marktpreis fuer Gullideckel scheint so hoch zu liegen,
dass der Aufwand lohnt, sie auszuhebeln und wegzutragen. So kann es passieren, dass man ploetzlich
in einen tiefen Abgrund schaut oder nach starkem Regen in einer Pfuetze ungewohnte Gefahren lauern.
Auch auf unser Portemonaie mussten wir achten, da in Ulan Bator vergleichsweise viele Taschendiebe unterwegs sind.
Als wir einmal schwer beladen mit den Einkaeufen nach Hause gingen, ergab es sich, dass ploetzlich jemand
vor mir stehen blieb und sich wohl ankuscheln wollte. Dies schien auch den Mann hinter mir zu inspirieren, der
ploetzlich ebenfalls auf Koerperkontakt aus war. Bis auf den Schrecken, wie schnell man in so eine Situation
kommen kann, blieben wir doch verschont. Da meine Hose sechs Taschen hat, dauerte es wohl zu lang, um die richtige
zu finden, waehrend ich zielsicher mit meiner Hand das Portemonaie festhalten konnte.
Auf Autos sollte man achten. Gerade wenn die Fussgaengerampel gruen zeigt. Zeigt sie rot,
kommt man eh nicht auf die Idee, die Strasse zu ueberqueren. Zeigt sie aber gruen, so versucht man
mit anderen Strassenueberquerungswilligen eine moeglichst grosse Gruppe zu bilden, meistens motiviert dies
die abbiegenden Fahrzeuge zu bremsen. Wir wissen nicht genau, ob zwei Personen
in jedem Fall reichen, wir hatten auch wenig Musse dieses auszuprobieren. Nachdem wir zunaechst sehr defensiv an
das Problem herangegangen sind ging dann spaeter mit ein wenig Erfahrung der Puls dann nicht mehr ganz so hoch.
Auch abseits der Ampeln sollte man sich in Bereichen, die von Autos erreichbar sind, vorsichtig bewegen.
Die Geschaefte in Ulan Bator haben keine bis wenig Schaufenster. Meist gibt ein schmuckloses Schild einen Hinweis darauf,
was im Inneren des Gebauedes angeboten wird. Viele, gerade kleinere Geschaefte sind im Souterrain untergebracht.
Betritt man dieses, so kann es einem passieren, dass man in ein Labyrinth aus 1 qm grossen Geschaeften geraet.
Auch auf der Strasse wird versucht, Geschaefte zu machen, die Ideen sind vielfaeltig.
So kann mann man sich wiegen oder die Schuhe putzen lassen.
Einige stehen mit einem Schnurtelefon ohne Schnur am Strassenrand,
wir wissen nicht, ob man dort wirklich telefonieren konnte.
Eine Frau verkauft einzelne Zigaretten aus einer Standardpackung.
Das Nonplusultra beim Einkauf ist der State Department Store, wo es von Lebensmitteln ueber Schmuck bis zu Outdoorkleidung
wirklich alles gibt, und das vielfach zu Preisen, von denen man in Deutschland nur traeumen kann.
Die Menschen und gerade die Frauen putzen sich fuer ihren Spaziergang heraus, was sie von ihrer Umgebung
noch einmal besonders abhebt. Es verleiht Ulan Bator aber wenigstens ein wenig Glanz, und den hat die Stadt allemal verdient.
Bleibt noch zu erwaehnen, dass man Ulan Bator wohl besser nur bei tageslicht erkundet. Selbst unser Hostel warnte, dass
es nach Mitternacht zu gefaehrlich sei.
Dies hoert sich jetzt alles vielleicht fuerchterlich an. Aber nein, wir haben es genossen durch Ulan Bator zu laufen
uns all diese Dinge anzuschauen. Es ist weit entfernt von Perfektion, aber vielleicht ist genau dies der Grund,
warum wir es moegen.
Abschied
Dreieinhalb Wochen Mongolei sind nun (leider) vorbei. Wir durften das
hektische, staedtische Gesicht Ulan Bators kennenlernen.
Wir durften den gruenen Norden und den kargen Sueden kennenlernen. Wir
sahen beeindruckende Seen und unerwartete Biotope in der Wueste. Wir
sahen Waelder und wir sahen Duenen.
Wir durften die grosse Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Mongolen
erfahren. Wir
durften inmitten einer Kamelherde stehen. Wir sahen grosse Pferdeherden
an unserem Auto vorbeiziehen.
Wir kletterten auf Huegel und schauten auf kristallklare Seen. Wir
sahen Adler und Geier, Geckos und Froesche. Wir sahen Edelweiss.
Wir lebten in Jurten. Latrinen und Hammelfleisch gehoerten mehr als
drei Wochen zu unserem Alltag.
All dies und noch viel mehr werden wir dankbar mitnehmen und immer gut
in Erinnerung behalten - auch wenn Hammelfleisch erst einmal von
unserer Speisekarte gestrichen ist und wir dankbar fuer jede
Klospuelung sind.






